Amnesty International fordert in Ratingen die Freilassung von Intisar al-Hammadi und Nahid Taghavi

Mahnwache für Intisar al-Hammadi und Nahid Taghavi in Ratingen

Mahnwache für Intisar al-Hammadi und Nahid Taghavi in Ratingen

Bild: Gruppe Ratingen

Was haben ein jemenitisches Model und eine deutsch-iranische Frauenrechtlerin gemeinsam?
Sie wurden beide willkürlich inhaftiert und haben bis heute eingeschränkten, bzw. gar keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Daher führten am 03.07.2021 sieben Mitglieder der Ratinger Amnesty-International-Gruppe auf dem Vorplatz der Kirche „St. Peter und Paul“ in der Ratinger Innenstadt von 10:00 bis 11:30 Uhr eine Mahnwache durch, um auf die unrechtmäßige Verhaftung der beiden Frauen hinzuweisen.

Intisar al-Hammadi wurde am 20. Februar 2021 von Huthi-Sicherheitskräften in Zivil an einem Kontrollpunkt in der jemenitischen Hauptstadt Sana’a festgenommen. Während ihrer Festnahme wurde sie mit verbundenen Augen verhört, körperlich und verbal misshandelt, rassistisch beleidigt und gezwungen, mehrere Straftaten zu „gestehen“, darunter Drogenbesitz und Prostitution.

Am 21. April wurde sie im Beisein ihres Anwalts der Staatsanwaltschaft zum Verhör vorgeführt, unter anderem wegen „Drogenkonsums, Drogenwerbung und Prostitution“ – was sie alles vehement bestreitet. Am Ende des Verhörs wurde ihr Anwalt Zeuge, wie sie vom Gefängnisdirektor geohrfeigt wurde. Ihr Anwalt wurde am 27. April von einem bewaffneten Mann angesprochen, der ihn bedrohte und ihn aufforderte, den Fall fallen zu lassen. Am 5. Mai wurde der Anwalt von Intisar al-Hammadi von einem Mitglied der Staatsanwaltschaft über die Pläne informiert, sie innerhalb weniger Tage einem „Jungfräulichkeitstest“ zu unterziehen. Diese Pläne sollen zwischenzeitlich aufgrund von Protesten von Amnesty International fallen gelassen worden sein. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft ihrem Anwalt trotz wiederholter Aufforderung den Zugang zu ihrer Akte verwehrt und er wurde nach Informationen von Human Rights Watch am 26. Mai von der Arbeit am Gericht in Sana’a suspendiert, was ihn nun effektiv daran hindert, weiter an al-Hammadis Fall zu arbeiten.

Nahid Taghavi, eine 66-jährige Deutsch-Iranerin, ist seit dem 16. Oktober 2020 im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert. Sie hat bisher weder Zugang zu einem Rechtsbeistand erhalten, noch wurden ihren Angehörigen detaillierte Informationen über die Anklagen, aufgrund derer sie festgenommen worden war, mitgeteilt. Stattdessen gab die Behörde an, sie würde aus „Sicherheitsgründen“ festgehalten. Sie hat in der Haft Diabetes entwickelt und leidet an Bluthochdruck. Somit ist sie im Falle einer Ansteckung mit Covid-19 einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Amnesty International sieht beide Frauen als zu Unrecht inhaftiert an. Weder wurde Intisar al-Hammadi Drogenbesitz oder Prostitution nachgewiesen, noch hat Nahid Taghavi die iranische Sicherheit gefährdet.

Da die Deutsche Post derzeit keine Briefe in den Jemen zustellt und die de-facto Huthi-Regierung in Sana’a auch keine Auslandsvertretungen unterhält, verteilte die Ratinger Amnesty-International-Gruppe am 03.07. nur Briefe an die iranischen Behörden, in denen die Freilassung von Nahid Taghavi gefordert wurde. Weiter wird in den ca. 30 verteilten Briefen gefordert, dass Nahid Taghavi bis zu ihrer Freilassung regelmäßigen Zugang zu ihrer Familie, einem Rechtsbeistand ihrer Wahl, sowie zu angemessener medizinischer Versorgung erhält.


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